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Berliner Rundfunk 91,4 - © Berliner Rundfunk 91,4

Radio-Interview

Nach den Fehltentscheidungen im WM-Achtelfinale: Brauchen Schiedsrichter technische Hilfsmittel? Zu diesem Thema befragte der Berliner Rundfunk (91,4) am 29. Juni Andreas Burkhardt.

Berliner Rundfunk: Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika stehen die Schiris ja ganz schön in der Schusslinie. Beim großartigen 4:1-Achtelfinalkracher der deutschen Elf gegen England vorgestern wurde mal eben ein Tor für England übersehen. Beim 3:1-Sieg der Argentinier gegen Mexiko hatte der Unparteiische ein Abseits übersehen beim 1:0-Führungstreffer für die Maradona-Truppe. Und das könnte man jetzt noch so weiter führen, das würde noch eine Weile dauern mit den Schiri-Fehlern. Jetzt wird natürlich wieder heiß über den Video-Beweis diskutiert, gegen den die FIFA nach wie vor ist. Aber: Nach den krassen Fehlentscheidungen bei der Weltmeisterschaft steht der Weltfußballverband unter Druck, sogar FIFA-Chef Sepp Blatter hat sich bei den betroffenen Teams aus England und Mexiko entschuldigt, und er schließt nun die Einführung von technischen Hilfsmitteln nicht mehr aus. Andreas Burkhardt ist Schiedsrichter des Berliner Fußball-Verbandes und Autor der DFB-Schiedsrichter-Zeitung. Was wäre denn besser: Videobeweis oder Chip im Ball?

Andreas Burkhardt: Ich denke tatsächlich an den Chip im Ball, der Video-Beweis würde meines Erachtens das Spiel zu lange unterbrechen. Außerdem, wenn man an eine Torkamera denkt, kann es immer wieder mal Situationen geben, wo ein Spieler die Sicht versperrt. Die Vorstellung, dass ein Schiedsrichter erst an den Spielfeldrand geht, sich beim Vierten Offiziellen Bilder holt und anschaut, halte ich für die Schnelligkeit im Fußball eher für kontraproduktiv. Deshalb würde ich sagen, ein Chip im Ball, der dem Schiedsrichter auf seiner Uhr kurz anzeigt »Goal!«, das ist in jedem Fall ein wichtiges Hilfsmittel, da spricht überhaupt nichts dagegen, das sollte man durchaus einführen.

Berliner Rundfunk: ... und doch gibt es einige Kritiker, die überhaupt nichts davon halten. Was sagen Sie denn so Kritikern wie Günter Netzer?

Burkhardt: Günter Netzer hat zwar noch einen interessanten Aspekt reingebracht, den ja auch Sepp Blatter vertritt: Dass der Fußball so etwas nicht braucht, die technischen Hilfsmittel, der Fußball braucht nicht die mathematische Genauigkeit, sondern die Fehlerhaftigkeit der Handelnden, die Erregung als Regel. Aber ich denke, spätestens seit dem WM-Achtelfinale, den Spielen Deutschland gegen England und Argentinien gegen Mexiko, hat sich gezeigt, dass doch etwas passieren muss, denn wenn ein Schiedsrichter gefühlte Ewigkeiten mit seinem Assistenten am Spielfeldrand über ein mögliches Abseits diskutiert und dann auch noch im Nachgang falsch entscheidet, dann ist das weder für das Spiel gut noch für die Schiedsrichter, zumal es sich bei Herrn Rosetti nicht um einen Quoten-Schiedsrichter handelt, sondern Roberto Rosetti war Weltschiedsrichter 2008, kurz: Der Mann, der kann was!

Berliner Rundfunk: Das sagt Andreas Burkhardt, Schiedsrichter des Berliner Fußball-Verbandes und Autor der DFB-Schiedsrichter-Zeitung.

08.07.2010

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